Pflichtangaben Tierarztrechnung
Diese 9 Angaben müssen auf jeder Tierarztrechnung stehen (sonst ist sie ungültig)
Wusstest du, dass eine Tierarztrechnung ohne Diagnose rechtlich angreifbar ist?
Oder dass deine Tierkrankenversicherung die Erstattung verweigern darf, wenn auch nur eine bestimmte Angabe fehlt? Tierarztrechnungen sind gesetzlich klar geregelt – aber in der Praxis sind sie oft unvollständig oder verwirrend formuliert.
Die gute Nachricht: Du musst kein Jurist sein, um eine korrekte Rechnung zu erkennen. Es gibt genau 9 Pflichtangaben, die jede Tierarztrechnung enthalten muss. Wenn eine davon fehlt, hast du das Recht, eine korrigierte Rechnung zu verlangen.
In diesem Artikel zeigen wir dir:
- Welche 9 Angaben gesetzlich vorgeschrieben sind
- Warum jede einzelne wichtig ist
- Was du tun kannst, wenn etwas fehlt
- Wie eine korrekte Rechnung in der Praxis aussieht
Am Ende bekommst du außerdem unsere kostenlose Druckversion der Checkliste und kannst deine eigene Rechnung in 30 Sekunden automatisch prüfen lassen.
Warum Pflichtangaben so wichtig sind
Bevor wir in die Details gehen, kurz zur Einordnung: Eine Tierarztrechnung ist nicht nur ein Zahlungsbeleg. Sie ist ein offizielles Dokument, das mehrere Funktionen erfüllt:
Rechtliche Funktion: Sie dokumentiert die Behandlung und ist Grundlage für deine Zahlungspflicht. Bei Streitigkeiten kann sie vor Gericht eingebracht werden.
Versicherungstechnische Funktion: Tierkrankenversicherungen erstatten nur bei vollständigen Rechnungen. Fehlt eine Pflichtangabe, kann die Auszahlung verweigert werden.
Steuerliche Funktion: Wenn du dein Tier zum Beispiel als Diensthund einsetzt, kannst du Tierarztkosten teilweise steuerlich absetzen – aber nur mit korrekter Rechnung.
Medizinische Funktion: Bei Tierarztwechsel oder Notfall ist die Rechnung oft das einzige Dokument, das die Behandlungsgeschichte deines Tieres zeigt.
Genug der Theorie – kommen wir zu den 9 Pflichtangaben.
Die 9 Pflichtangaben im Detail

1. Name und Anschrift der Tierarztpraxis
Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht immer. Auf der Rechnung müssen vollständig stehen:
- Vollständiger Name der Praxis (oder des/der Tierarztes/Tierärztin)
- Komplette Anschrift
- Idealerweise auch Telefonnummer und E-Mail
Was oft fehlt: Bei Gemeinschaftspraxen werden manchmal nur die Namen aufgeführt, aber nicht klar dargestellt, wer behandelt hat. Du hast Anspruch darauf zu wissen, welche/r Tierärztin/Tierarzt dein Tier behandelt hat.
2. Name und Anschrift des Tierhalters
Du musst korrekt mit Vor- und Nachname sowie deiner aktuellen Adresse aufgeführt sein. Wichtig: Der Tierhalter ist der Rechnungsempfänger – nicht der Begleiter beim Tierarztbesuch.
Praxistipp: Wenn du das Tier deines Partners oder eines Familienmitglieds zum Tierarzt bringst, sag das bitte vorher. Sonst landet die Rechnung auf deinem Namen, obwohl du nicht der/die Tierhalter:in bist – das kann bei Versicherungs- oder Streitfällen problematisch werden.
3. Datum der Behandlung
Achte darauf: Es geht hier nicht nur um das Rechnungsdatum, sondern um das konkrete Behandlungsdatum. Bei mehreren Behandlungsterminen muss jeder einzelne aufgeführt sein.
Warum das wichtig ist: Tierkrankenversicherungen rechnen oft mit Wartezeiten. Wenn die Behandlung am 15. März stattfand, die Rechnung aber erst am 30. März ausgestellt wurde, zählt der 15. März als Behandlungsdatum für die Versicherung.
4. Tierart und Name des Tieres
Auf der Rechnung muss klar erkennbar sein, welches Tier behandelt wurde. Bei mehreren Tieren im Haushalt ist das besonders wichtig.
Mindestens enthalten sein müssen:
- Tierart (Hund, Katze, Kaninchen etc.)
- Idealerweise Rasse, Alter, Geschlecht
- Name des Tieres
- Bei Kennzeichnung: Chip-Nummer
Häufiger Fehler: Bei Mehrtierhaushalten steht oft nur "Hund" auf der Rechnung – aber nicht welcher der drei Hunde behandelt wurde. Im Versicherungsfall kann das Probleme machen.
5. Diagnose oder Befund

Das ist die wichtigste und am häufigsten vergessene Angabe!
Auf der Rechnung muss stehen, was bei deinem Tier diagnostiziert wurde. Egal ob es ein Routinebesuch war oder eine schwere Erkrankung – die Diagnose oder zumindest der Behandlungsgrund muss vermerkt sein.
Beispiele für korrekte Angaben:
- "Allgemeine Vorsorgeuntersuchung"
- "Zahnsteinentfernung wegen Plaquebildung"
- "Verdacht auf Niereninsuffizienz, Blutuntersuchung"
- "Notfall: Vergiftung"
Was nicht reicht: Eine reine Auflistung der Leistungen ohne Grund ("Untersuchung, Spritze, Beratung" ohne Diagnose).
Warum das so wichtig ist: Ohne Diagnose kann deine Versicherung die Erstattung verweigern, weil sie nicht erkennen kann, ob die Behandlung gerechtfertigt war. Bei rechtlichen Streitigkeiten ist eine Rechnung ohne Diagnose außerdem leicht angreifbar.
Tipp: Wenn die Diagnose fehlt, bitte freundlich um eine korrigierte Rechnung. Das ist dein gutes Recht und absolut üblich.
6. Einzelne Leistungen mit GOT-Nummer
Jede einzelne Leistung muss aufgeführt sein – inklusive der Gebührennummer aus der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte).
Eine korrekte Position sieht etwa so aus:
Nr. 16 – Allgemeine Untersuchung mit Beratung – 23,62 €
Was hier nicht stehen darf:
- Pauschale Sammelposten ohne Aufschlüsselung
- Leistungen ohne GOT-Nummer
- Unklare Bezeichnungen wie "Behandlung"
Häufiger Fehler: Sammelpositionen wie "Untersuchung und Beratung: 75 €" ohne weitere Aufschlüsselung. Das ist nicht zulässig – du hast Anspruch auf eine detaillierte Aufstellung.
Mehr über die GOT-Sätze und wann welcher Faktor erlaubt ist, erfährst du in unserem ausführlichen GOT-Guide.
7. Angabe des GOT-Satzes (Faktor)
Bei jeder Leistung muss der berechnete Faktor stehen – also ob der 1-fache, 2-fache, 3-fache oder 4-fache Satz angesetzt wurde.
Korrekte Darstellung:
Nr. 16 – Allgemeine Untersuchung – Faktor 2,0 – 47,24 €
Wenn der 3-fache Satz oder höher berechnet wird, hast du sogar einen rechtlichen Anspruch auf eine schriftliche Begründung. Frag einfach danach – das ist absolut üblich.
Wichtig zu wissen: Bei Sätzen unter dem 3-fachen muss der Tierarzt nichts begründen. Trotzdem ist es ratsam, bei höheren Sätzen freundlich nachzufragen, warum sie angesetzt wurden.
8. Medikamente einzeln aufgeführt mit Menge und Preis
Verabreichte oder mitgegebene Medikamente müssen einzeln aufgelistet sein, mit:
- Bezeichnung des Medikaments
- Menge bzw. Packungsgröße
- Einzelpreis
Was nicht zulässig ist: Eine Sammelposition wie "Medikamente: 38 €". Du hast das Recht auf eine vollständige Aufstellung.
Praxistipp: Bei Medikamenten lohnt sich oft ein Preisvergleich. Manche Medikamente kannst du günstiger über die Apotheke beziehen, wenn dein Tierarzt ein Rezept ausstellt. Frag einfach freundlich nach – die meisten Praxen sind kooperativ.
9. Mehrwertsteuer und Gesamtbetrag
Am Ende der Rechnung müssen klar erkennbar sein:
- Nettobetrag (Summe aller Leistungen ohne MwSt.)
- Mehrwertsteuer-Satz (in der Regel 19 %)
- Mehrwertsteuer-Betrag in Euro
- Bruttobetrag (Gesamtbetrag, was du wirklich zahlst)
Außerdem müssen vorhanden sein:
- Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer der Praxis
- Rechnungsnummer (eindeutige Nummer)
- Zahlungshinweis (Konto, Frist)
Die komplette Checkliste zum Mitnehmen
Hier nochmal alles auf einen Blick – speicher dir diese Liste oder druck sie aus, dann hast du sie bei der nächsten Rechnung griffbereit:
✅ 1. Praxis: Name und Anschrift
✅ 2. Tierhalter: Name und Anschrift
✅ 3. Datum der Behandlung (nicht nur Rechnungsdatum)
✅ 4. Tier: Tierart, Name, ggf. Rasse und Geschlecht
✅ 5. Diagnose oder Behandlungsgrund
✅ 6. Leistungen einzeln mit GOT-Nummer
✅ 7. Faktor (1-fach, 2-fach, 3-fach, 4-fach)
✅ 8. Medikamente einzeln mit Menge und Preis
✅ 9. MwSt. und Gesamtbetrag
Wenn ein Punkt fehlt: Du hast das Recht auf eine korrigierte Rechnung.
Was tun, wenn Angaben fehlen?

Erstmal: Keine Sorge. Eine unvollständige Rechnung ist kein Drama – aber du solltest sie korrigieren lassen, bevor du sie bezahlst oder bei der Versicherung einreichst.
So gehst du vor:
Schritt 1: Höflich nachfragen Ruf einfach in der Praxis an oder schreib eine kurze E-Mail. Die meisten Praxen erstellen sofort eine korrigierte Rechnung. Beispieltext:
"Hallo, ich habe die Rechnung vom [Datum] erhalten. Mir ist aufgefallen, dass die Diagnose / der Faktor / die Medikamentenliste fehlt. Könnten Sie mir bitte eine korrigierte Rechnung zusenden? Vielen Dank!"
Schritt 2: Mit Versicherung absprechen Wenn du eine Tierkrankenversicherung hast, frag dort nach, welche Angaben sie konkret brauchen. Manche Versicherungen sind strenger als andere.
Schritt 3: Bei Verweigerung: Tierärztekammer Falls die Praxis sich weigert, die Rechnung zu korrigieren (was sehr selten vorkommt), kannst du dich an die zuständige Landestierärztekammer wenden. Dort gibt es eine Schlichtungsstelle.
Schritt 4: Zahlen unter Vorbehalt Wenn du die Rechnung trotzdem zahlen musst (z.B. um eine Mahnung zu vermeiden), kannst du das unter Vorbehalt tun. Vermerke das im Verwendungszweck der Überweisung – damit bleibst du rechtlich auf der sicheren Seite.
So sieht eine korrekte Rechnung aus
Hier ein vereinfachtes Beispiel einer vollständigen, korrekten Tierarztrechnung:
Tierarztpraxis Dr. Schmidt Hauptstraße 12, 70173 Stuttgart Tel: 0711-12345678 | info@tierarzt-schmidt.deSteuernummer: 12345/67890
Rechnung Nr. 2026-0342 Datum der Rechnung: 15.05.2026
An: Anna Müller Musterweg 5 70191 Stuttgart
Patient: Katze, "Luna", weiblich, 4 Jahre, Britisch Kurzhaar
Behandlungsdatum: 12.05.2026 Diagnose: Allgemeine Vorsorgeuntersuchung mit Jahresimpfung (RCP)
GOT-Nr. Leistung Faktor Betrag 16 Allgemeine Untersuchung mit Beratung 1,0 23,62 € 146 Schutzimpfung 1,0 11,50 € --- Impfstoff RCP, 1 Dosis --- 14,80 € Nettobetrag: 49,92 € Mehrwertsteuer 19 %: 9,48 € Gesamtbetrag: 59,40 €
Zahlbar innerhalb von 14 Tagen auf folgendes Konto: [Bankverbindung]
Du siehst: Alle 9 Pflichtangaben sind erfüllt. Eine solche Rechnung kannst du beruhigt bezahlen und bei jeder Versicherung einreichen.
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Häufige Fragen zu Pflichtangaben
Was ist, wenn die Praxis sich weigert, die Rechnung zu korrigieren? Das kommt sehr selten vor. Falls doch: Du kannst dich an die Landestierärztekammer wenden oder im Streitfall einen Anwalt für Tierrecht konsultieren.
Muss ich eine unvollständige Rechnung trotzdem bezahlen? Grundsätzlich ja – aber du kannst die Bezahlung unter Vorbehalt leisten und gleichzeitig eine korrigierte Rechnung verlangen. So riskierst du keine Mahnung.
Reicht eine handschriftliche Diagnose? Ja, solange sie eindeutig lesbar und auf der Rechnung dokumentiert ist. Idealerweise sollte sie aber gedruckt sein.
Wie lange muss ich Rechnungen aufbewahren? Privat: keine gesetzliche Pflicht, aber wir empfehlen mindestens 3 Jahre (Verjährungsfrist). Bei steuerlich absetzbaren Tieren: 10 Jahre.
Bekomme ich eine Rechnungskopie, wenn ich meine verloren habe? Ja, jede Tierarztpraxis ist verpflichtet, dir eine Kopie zur Verfügung zu stellen. Eine kleine Kopiergebühr (5-10 €) ist üblich.
Fazit
Eine vollständige Tierarztrechnung schützt dich – rechtlich, finanziell und gegenüber deiner Versicherung. Die 9 Pflichtangaben sind kein bürokratischer Selbstzweck, sondern dein gutes Recht.
Wenn du das nächste Mal eine Rechnung in der Hand hältst, geh sie kurz durch:
- Sind alle 9 Punkte enthalten?
- Stehen Diagnose, GOT-Nummern und Faktoren klar drauf?
- Sind Medikamente einzeln aufgelistet?
Wenn ja: Alles gut, du kannst beruhigt zahlen. Wenn nein: Freundlich nachfragen – das wird in 99 % der Fälle ohne Probleme korrigiert.
Und wenn du dir die Prüfung sparen willst: Lade deine Rechnung in unserer App hoch, und wir checken alle 9 Pflichtangaben in 30 Sekunden für dich.
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